Ev.-luth. Laurentius-Kirchengemeinde Lübeck

So soll unsere fusionierte Gemeinde heißen.

Aber wer was das eigentlich, Laurentius?

Laurentius ist ein gegebener Name. Auf dem ältesten christlichen Symbol der nordwestlichen Vorstadt Lübecks, dem Steinkreuz seitlich vom Eingang der St.-Lorenz-Kirche, steht: „Anno 1597 auf den Tag Laurentzius haben diese Vorstände des ehrbaren Rates diesen Karkhoff gegründet, Gott zu Ehren und den Armen zum Besten.“ Hier wurde später das erste Kirchspiel vor den Toren der Stadt gegründet, von hier aus nahm Vorstadtkirche in Lübeck ihren Anfang. Alle fünf Gemeinden, die ab 1. Januar 2022 eine Gemeinde sind, lassen sich darauf zurückführen.

Diese namengebende Ursprungsstelle erzählt von Leuten, die in der Krise einer historischen Pandemie bereit waren den Hut aufzusetzen. Sie haben sich sozial engagiert, haben etwas in Bewegung gesetzt, Mittel aufgebracht, kannten als „Vorstände“ die weiten Wege von Meinungsbildung, Beschlussfassung, Umsetzung. Sie fanden es wichtig sich auf den Namen Laurentius zu beziehen, sonst hätten sie ‚10. August‘ geschrieben und nicht: „auf den Tag Laurentzius“. So alt der Name auch ist - denen, die sich hier auf ihn bezogen, verdanken wir bis heute einen weit in die Zukunft reichenden Impuls.

Fragen wir also, welche Impulse der Name ‚Laurentius‘ für ein Gemeindebild der Zukunft gibt.

Die Mutter des Laurentius hieß Patientia: Geduld. Von Beruf war er Diakon, hatte gottesdienstliche Aufgaben, war schwerpunktmäßig für die Finanzen und für die Sozialarbeit seiner Gemeinde in Rom verantwortlich. Wer sich nach ihm nennt, bekommt einen starken diakonischen Aspekt eingestiftet und achtet das Kümmern ums Vermögen und um soziale Aufgaben keinesfalls gering gegenüber dem Gottesdienst.

Als er während einer der Christenverfolgungen im 3. Jh. Kaiser Valerian den Kirchenschatz herausgeben sollte, erbat er sich drei Tage Bedenkzeit. Diese nutzte er um das gesamte Vermögen der Gemeinde unter Arme und Kranke zu verteilen. Als der Kirchenschatz erneut von ihm gefordert wurde, waren sie alle da. Laurentius verwies auf sie und sagte: „Sie sind die wahren Schätze der Kirche“. Wer sich nach ihm nennt, wird Existenz und Wesen von Kirche nicht an Gebäuden, Bilanzen, sakralen Gegenständen festmachen, sondern an den Menschen und wird immer fragen, was sie brauchen.

Laurentius wurde dafür gefoltert, verstarb am 10. August 258. Glühende Kohlen unterm Eisenrost sind als Folterinstrument überliefert. Befremdlich dieser Rost, den er auf Bildern in der Hand hält - hält uns Heutigen aber hin: Last Euch nicht verheizen, Burnout von Menschen ist durch nichts zu rechtfertigen, achtet aufeinander. Und vor allem: Verliert nie den Humor! Laurentius soll seinen Peinigern gesagt haben, sie möchten ihn doch bitte wenden, er sei auf der einen Seite noch nicht gar.

Es war eine schwierige Zeit, es bestand Versammlungsverbot, viele Gemeinden waren in ihrer Existenz bedroht. In Glaubensfragen war es eine spannende Zeit. Unser Glaubensbekenntnis gab es noch nicht. Es wurde gerungen darum, wie das zu verstehen sei mit Gott und Jesus und mit dem Ineinander von dieser Welt und einer sie transzendierenden Wirklichkeit. Wer mit dem Namen Laurentius einen Anker in den Boden dieser Zeit auswirft, bekennt auch dieses: Gemeinsames Ringen um Wesenhaftigkeit und Verständnis ist ursprünglicher, macht im Zweifel widerstandsfähiger als das Rezitieren von Glaubensformulierungen, die es damals noch nicht gab. In einer Zeit, in der konfessionelle Bindung nicht mehr selbstverständlich ist, kann ein Namensanker tief im Boden der vorkonfessionellen Zeit ein haltgebendes Moment für die Zukunft sein.

Vieles spricht also für ‚Laurentius‘ im Namen unserer zukünftigen Kirchengemeinde. Und alle fünf Gemeinden, die bald zu einer werden, können immer am 10. August gemeinsam Laurentiustag feiern, endlich wieder ein Fest! Menschen werden dann an den Straßenecken singen und tanzen: „Laurentia, liebe Laurentia mein, wann wollen wir wieder zusammen sein, am So-onn-tag“ … und an jedem Tag der Woche, wie’s das Liedchen singt, an dem ‚Laurentius‘ Menschen einander begegnen lässt.

Ihr und Euer Pastor Friedrich Fallenbacher