Mut-Mach-Worte von der St. Markus-Gemeinde

Gerade in diesen Zeiten ist alles anders, alle sind aufgerufen ihre sozialen Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Die Kirche bleibt zu. In St. Markus gibt es die sogenannten Mut-Mach-Worte. Schon zum Beginn der Pandemie in 2020 haben die Pastorinnen angefangen, Gedanken nieder zu schreiben und zu verteilen. Dies werden sie auch jetzt weiter machen. Hier wird auch es die Möglichkeit geben, die älteren MMWs einzusehen.

Augen - Copyright: St. Markus, Lübeck
Augen

MMW zum 07.03. - 3. Sonntag der Passionszeit

Liebe Mut-Mach-Wort-Gemeinde!

Der 3. Sonntag der Passionszeit trägt den Namen „Oculi“ – lateinisch für „Augen“. Denn im Psalm dieses Sonntags heißt es:  

„Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten.“ (Psalm 34,15)

Psalm 34

Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten

und seine Ohren auf ihr Schreien.

Das Antlitz des Herrn steht wider alle, die Böses tun,

dass er ihren Namen ausrotte von der Erde.

Wenn die Gerechten schreien, so hört der Herr

und errettet sie aus all ihrer Not.

Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind,

und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

Der Gerechte muss viel leiden,

aber aus alledem hilft ihm der Herr.

Er bewahrt ihm alle seine Gebeine,

dass nicht eines von ihnen zerbrochen wird.

Den Frevler wird das Unglück töten,

und die den Gerechten hassen, fallen in Schuld.

Der Herr erlöst das Leben seiner Knechte,

und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.

Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien.“

So beginnt der Psalm für diesen Sonntag. Eine eindeutige Zusage, dass Gott unser Gebet hört. Solche Zusagen gibt es sogar ziemlich häufig in der Bibel.

„Schön wär´s“, denkt da mancher, der oder die das Gefühl Hat; das Gott ihn oder sie eben gerade nicht hört sondern ziemlich weit weg ist.

Dieses Gefühl war vermutlich auch David, dem viele der biblischen Psalmen zugschrieben werden, nicht fremd. Es ging in seinem Leben durch viele Tiefen. Er wusste oft nicht mehr weiter. Und menschliche Hilfe war mitunter weit weg.

Doch genau in solchen Situationen erfuhr er, dass Gott da ist. Deswegen sprach er mit ihm - und merkte: Gott ist da. Ja, er ist sogar ganz nahe. Er sah ihn zwar nicht. Aber trotzdem spürt er: „Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.“

Ein echtes „Mut-Mach-Wort“!

Eines, das auch für uns gilt: Gott ist da, wenn bei uns alles „drunter und drüber geht“.

In diesen Momenten dürfen wir uns bewusst machen: Gott ist da! Er interessiert sich für mein persönliches Elend! Er will bei mir sein, wenn ich hoffnungslos bin.

Der Psalm beschreibt eine ganz wunderbare Seite von Gott: Gott ist der, der sich uns zuwendet und der sich unser erbarmt.

Wenn wir ihn um seine Hilfe bitten, zeigt er uns, dass er wirklich da ist.

Nicht dass wir seine Nähe dann garantiert spüren werden. Gott ist kein „Wunscherfüllungsautomat“, in den wir unsere Bitten wie Geldmünzen „einwerfen“ und unten kommt das Erbetene raus.

Dennoch ist er da, auch wenn wir seine Nähe nicht empfinden.

Und wenn wir ihm sagen, wie uns zumute ist, dann sind wir bei ihm an der richtigen Adresse.

So kann es sein, dass er uns aus seinem Wort eine Zusage gibt, die für uns zur entscheidenden Hilfe wird. Dass auf einmal ein Bibelvers regelrecht zu uns spricht, uns packt, uns Neues entdecken lässt, den Blick verändert.

Und dann merken wir: Er hat zu mir geredet. Das heißt: Gott ist da!

Es kann auch so sein, dass wir unverhofft jemand begegnen, der ein offenes Ohr für uns hat. Einer, der zuhört und sagt, dass er für uns da ist. Auch das ein Zeichen, dass Gott da ist.

Manchem wurde damit schon entscheidend geholfen, wenn er seine Not mit jemand teilen konnte. Dann merkt man auf einmal: So schlimm, wie ich meine Situation vor kurzem noch sah, ist sie jetzt schon nicht mehr. Es ist zwar nicht alles anders geworden. Aber es geht schon besser. Die Not gemeinsam vor Gott auszusprechen ist oft eine große Hilfe. Man ist nicht mehr allein, denn Gott begegnet einem im anderen.

Es gibt jemanden, der einen zu verstehen sucht und der die Not vor Gott bringt, als wäre es seine eigene.

So kann Gott auf eine Weise helfen, dass wir überrascht sind. Denn Gott hilft nicht immer so, wie wir es uns wünschen. Aber er gibt uns, was wir brauchen. Das ist oft mehr, als wir ihm zutrauen. Denn Gott hat ein offenes Ohr für uns und ist uns nahe. Das ist ein Grund ihm zu danken!

Dabei ist es gut, wenn wir uns vor Augen führen, dass Gott uns sehr unterschiedlich führt - und nicht nach „Schema F“.

Die einen sind mit ihrem Gebet für ein Anliegen beharrlich „drangeblieben“ und erleben, wie Gott nach längerer Zeit erhört.

Die anderen können im Blick auf Gottes größere Weisheit eine Bitte auch mal getrost loslassen.

Die dritten wiederum werden getröstet und getragen, obwohl sie das Handeln Gottes nicht oder noch nicht verstehen.

Und die vierten erleben überraschend Gottes wunderbares Eingreifen.

Egal wie und was es ist - es stimmt die Verheißung aus Psalm 34:

Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten

und seine Ohren auf ihr Schreien.“

Und damit auch die Erfahrung, die offenkundig David immer wieder machen durfte:

Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind,

und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

Dieses Vertrauen wünsche ich uns allen.

Bleiben Sie / bleibt behütet!

Ihre und Eure Pastorin Elisabeth Farenholtz


Blütenherz - Copyright: St. Markus, Lübeck
Blütenherz

MMW zum 28.02. - 2. Sonntag der Passionszeit

Liebe Mut-Mach-Wort-Gemeinde!

Reminiscere ist der Name des 2. Sonntages in der Passionszeit.

Der Name bedeutet: „An jemanden denken“ und bezieht sich auf einen Vers im Psalm 25: „Herr, denke an deine Barmherzigkeit“ (Psalm 25,6). Hier zunächst die Worte dieses Psalms:

 

Psalm 25

Nach dir, Herr, verlangt mich.

Mein Gott, ich hoffe auf dich;

lass mich nicht zuschanden werden,

dass meine Feinde nicht frohlocken über mich.

Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret;

aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter.

Herr, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige!

Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich!

Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich.

Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte,

die von Ewigkeit her gewesen sind.

Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen,

gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit,

Herr, um deiner Güte willen!

Der Herr ist gut und gerecht; darum weist er Sündern den Weg.

Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg.

 

Ich muss gestehen, es fällt mir schwer, in diesem Psalm einen wirklichen Gedankengang zu entdecken.

Wie Blitzlichter leuchten verschiedene Themen auf und verschwinden, teils um einige Zeilen später erneut zu erscheinen. Am Beginn steht das Vertrauen auf Gott im Mittelpunkt, die Hoffnung auf Rettung und Bewahrung: Mein Gott, ich hoffe auf dich; lass mich nicht zuschanden werden.

Dann ist da das Bild vom Weg: Herr, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige! bittet der Beter und meint damit sicherlich die 10 Gebote und alles, was dazu gehört an Weisungen und Regeln für ein Leben in Liebe zu Gott und dem Mitmenschen. Ein Leben, das den Fremden achtet und ihm nicht von vorneherein misstraut, das nicht ausgrenzt, sondern bewahrt, das mitleidet mit allen Geschöpfen, die unsere Hilfe und Fürsorge brauchen.

Das ist der „rechte Weg“, der Weg Gottes, auf dem der Beter bleiben möchte, weil er weiß: Nur dort ist er sicher.

Deswegen ist es gut, den eigenen Weg immer einmal wieder kritisch zu betrachten und Gott um Hilfe zu bitten.

Und gleichzeitig ist zu spüren: es ist nicht eine unbestimmte Angst, die den Beter so reden lässt, sondern Erfahrung. Er denkt an seine „Jugendsünden“ (und das sind ja nicht immer solche Bagatellen, wie die Redensart uns glauben macht). Er erinnert sich daran, wie es ihm ergangen ist, wenn er sich vom rechten Weg entfernt hat, aus Leichtsinn oder Gedankenlosigkeit, vielleicht auch aus Trotz und Selbstüberschätzung (das erfahren wir nicht). Doch es wird deutlich: Er hat schon einmal sein Ziel aus den Augen verloren, und das soll ihm nicht wieder geschehen.

Er bittet um Vergebung. Um einen neuen Anfang. Um einen festen Halt. Und er erinnert Gott an dessen Selbstverpflichtung, an seine Zusagen gegenüber Noah und Abraham und Mose, an seine Treue, und an die Hoffnung, die er in den Menschen wachgerufen hat.

Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, Herr, um deiner Güte willen.

Ich weiß nicht so recht, ob Gott solche Aufforderung zur Erinnerung nötig hat.

Aber vielleicht ist dieses: „Gott, erinnere dich doch an deine Barmherzigkeit“ auch mehr so ein Stück Selbstvergewisserung. Das bewusste Erinnern daran: da gibt es etwas, was mir zugesagt ist, was mir schon Halt gegeben hat, was für mich Geltung hatte. Und das kann doch jetzt nicht so einfach weg sein.

Ich weiß von manchen Paaren, die sich in Krisenzeiten an den Anfang ihrer Liebe erinnern, daran, wie es einmal war und die daraus Kraft und Mut schöpfen, weiter beieinander zu bleiben, an der und für die Beziehung zu arbeiten und nicht aufzugeben. Manchmal hilft der Gedanke an solche andere Zeiten.

Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind.

Dieses Psalmwort kommt mir sehr nahe, nach einem Jahr mit Corona, nach über 2 Monaten Lockdown und der großen Ungewissheit, wie es weitergeht, wann Lockerungen möglich sein werden.

Gottes Begleitung, seine Barmherzigkeit ist zurzeit nicht gerade „auf den ersten Blick“ erkennbar und spürbar. Sehr viel deutlicher sind die Folgen der Pandemie.

Um da das Vertrauen in Gott und sein „Für-Uns- Da Sein“ nicht zu verlieren, tut es mir gut, auf mein Leben zu schauen und mir bewusst zu machen, wo Gott mich bewahrt und beschützt hat, wo er mir geholfen hat, wieder Mut zu schöpfen, wo ich durch ihn neue Kraft bekommen habe.

Ich darf in mir die Erinnerung wachrufen, wo ich seine Barmherzigkeit und Güte erlebt habe. Und ich bin überzeugt, diese Erfahrungen gibt es in jedem Leben.

Diese Selbstvergewisserung kann mir helfen, dass ich mich auch jetzt, in dieser Zeit der Unsicherheit, daran festhalten kann: Gottes Barmherzigkeit und seine Güte gelten, auch jetzt.

Dann kann ich, wenn vielleicht auch nur vorsichtig, zaghaft, einstimmen in die Vertrauensworte vom Beginn des Psalms und weiter durchhalten und hoffen:

Mein Gott, ich hoffe auf dich; lass mich nicht zuschanden werden.

Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret

Bleiben Sie / bleibt behütet

Ihre und Eure Pastorin Elisabeth Farenholtz


betende Hände - Copyright: St. Markus, Lübeck
betende Hände

MMW zum 21.02. – 1. Sonntag der Passionszeit 

Liebe Mut-Mach-Wort-Gemeinde,
am vergangenen Mittwoch, dem Aschermittwoch, hat die Passionszeit begonnen. Die kommenden Sonntage bis zum Beginn der Karwoche am Palmsonntag tragen alle lateinische Namen. Sie leiten sich von den Psalmen her, die nach der Tradition der Kirche diesen Sonntagen zugeordnet sind. Diese Psalmen sollen uns in den nächsten Wochen bis Ostern begleiten.

Der Psalm für diesen Sonntag ist der Psalm 91. Dort heißt es: „Er ruft zu mir, deshalb will ich seine Bitte erfüllen“ (Psalm 91,15). 
Dieser Vers gibt dem Sonntag seinen Namen: „Invocavit“ – „Er hat mich angerufen“

Psalm 91

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn:  Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.

Denn er errettet dich vom Strick des Jägers und von der verderblichen Pest. Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.

Seine Wahrheit ist Schirm und Schild, dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht, vor dem Pfeil, der des Tages fliegt, vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.

Wenn auch tausend fallen zu deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich nicht treffen.

Ja, du wirst es mit eigenen Augen sehen und schauen, wie den Frevlern vergolten wird.

Denn der Herr ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht.

Es wird dir kein Übel begegnen, und keine Plage wird sich deinem Hause nahen.

Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

Die Psalmen sind uralte Texte. Ihre Kraft und ihre Aktualität haben sie für mich auch daher, weil sie nicht nur in wunderbaren, anrührenden Bildern von Vertrauen, Zuversicht und Hoffnung sprechen, sondern auch geradezu schonungslos realistisch sind und alles andere als blind für die Gefahren und Gefährdungen im Leben sind. Das gilt für mich in besondere Weise für den Psalm 91. Die Bilder von der „verderblichen Pest“ oder der „Seuche, die Verderben bringt“ sind uns in dieser Corona-Zeit sehr präsent. Da muss niemand lange überlegen. Aber auch die anderen Bilder lassen sich unschwer in unsere Erlebenswelt übertragen. Die „Stricke des Jägers“, die uns fesseln, Pfeile die fliegen, die Pest, die im Finstern schleicht: seit Wochen sind wir ausgebremst und auf die allernötigsten „Dinge“ des Lebens begrenzt: Essen und Trinken, Familie. Es läuft gerade nicht viel, für manche „gar nichts!“ von dem, was wir ein geregeltes und eingerichtetes „normales“ Leben nennen würden! Viele sind durch die öffentlichen Einschränkungen und Maßnahmen isoliert und allein, isolieren sich aber auch selbst aus Angst vor Ansteckung. Viele sind ganz existentiell betroffen durch andauernde Kurzarbeit und Gehaltseinbußen, vielleicht sogar durch Arbeitsplatz Verlust und einer sehr ungewissen Zukunft, durch die Belastungen von Homeoffice und Homeschooling. 
Der Psalm leugnet nicht Belastungen, Nöte, Bedrohungen. Aber er bleibt nicht bei ihrer Betrachtung stehen.
Wir wissen nicht, wer diesen Psalm geschrieben hat. Und vielleicht ist das auch gar nicht so wichtig. Denn manchmal denke ich, in diesem Psalm ergreift kein Mensch das Wort, sondern hier redet der Glaube! Dieser Psalm ist eine kühne, geradezu trotzige Zuversicht des Glaubens an seinen Gott! Hier redet nicht der Glaubende, sondern der Glaube selbst! Natürlich haben Menschen diese Worte irgendwann aufgeschrieben. Aber der Mensch, der glaubt, tritt hier eher in den Hintergrund. Es ist, als wenn der Glaube selbst um unser Vertrauen wirbt und gerade auch uns, die wir doch glauben, einlädt und erinnert, diesem Glauben mehr Raum zu geben und uns in diesem Glauben an Gott zu bergen – gerade in Gefahren und Not.
Es ist, als wenn hier der Glaube in einer für uns fast unvorstellbaren Zuversicht festhält, was er doch wie selbstverständlich von dem allmächtigen Gott erwarten darf, bei dem er Zuflucht und Schutz sucht. 
Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe. 
Diese Worte sprechen von einer großen Geborgenheit, die der Glaube an Gott schenkt! Geborgen zu sein inmitten einer Welt, die uns mächtig verunsichert, der wir schutzlos ausgeliefert sind, das ist so elementar wichtig. Nicht erst seit Corona erleben wir das, aber jetzt in besonderer Weise! Wo finden wir diese Geborgenheit? 
In diesem alten Psalm ist von einem solchen Ort die Rede. Es gibt ihn, und zwar ganz dicht in Gottes Nähe! So wie ein Kind bei der Mutter geborgen ist, so will Gott uns wie Vater und Mutter sein und uns unter seinem Schutz bergen. 
Wer unter dem Schirm des „Höchsten“ sitzt... Oder wie es im nächsten Satz heißt: Unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt ... der kann diese Geborgenheit erleben! Bei ihm finden wir Schutz und Geborgenheit, wie sie uns kein Mensch geben kann! 
Wer ist da, wenn keiner da sein darf ... wenn wir uns nicht treffen, nicht in den Arm nehmen können, wenn wir Abstand halten müssen und Nähe fast nicht sein darf ... Wo und wie finden wir da Geborgenheit? 
Geborgenheit bei Gott erlebe ich unter anderem da, wo ich für einen Menschen beten kann, oder ein anderer für mich betet – auch über das Telefon. Das ist wie eine Umarmung Gottes! Seine Geborgenheit ist größer und höher als Menschen sie geben können. Sie ist größer und höher, als wir verstehen können. Und sie ist sogar dann noch da, wenn alles zerbricht, wenn es durch das Tal des Todes geht. Keine Gefahr, keine Sorge, keine Angst und noch nicht einmal der Tod ist größer, ist höher als Gott: Er ist der Höchste. Nichts ist über ihm. 
Das erklärt nicht, warum eben dennoch Schlimmes in unserer Welt und in unserem Leben passieren kann. Aber es gibt eine Geborgenheit trotz aller Ungewissheit, allem Bösen in dieser Welt. 
Denn ich darf wissen: Was immer auch geschieht – Gott hält seinen Schirm, seine Hand über mir und ich darf in jeder Lage unter dem Schirm des Höchsten sein. 
Auch ein Regenschirm verhindert nicht, dass Unwetter und Regen aufziehen –auch wenn mancher das so sagt: Man muss nur einen Schirm bei sich haben, dann regnet es nicht! Ein Schirm schützt im Regen, er vertreibt ihn aber nicht: Gottes Schirm ist Schutz in Nöten, aber nicht immer vor der Not! 
Es gibt nun aber einen großen Unterschied zwischen dem Regenschirm und dem Schirm des Glaubens: Die Regenschirme müssen wir tragen. Der Schirm des Glaubens trägt uns!
Der Psalm hat dafür dieses wunderbare Bild: 
Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen.
Das gilt uns. Auch jetzt. Gerade jetzt. Wir werden getragen – durch alle Zeiten.

Bleiben Sie /Bleibt behütet! 

Ihre und Eure Pastorin Elisabeth Farenholtz


Kerze im Fenster - Copyright: Elisabeth Farenholtz, St. Markus
Kerze im Fenster

MMW zum 14. Februar 2021 – der Sonntag vor der Passionszeit

Liebe Mut-Mach-Wort-Gemeinde,
heute möchte ich Sie und Euch auf eine Aktion aufmerksam machen, die ich selber mehr durch Zufall entdeckt habe. 

Vor circa 3 Wochen sah ich im Fernsehen mehr aus dem im Augenwinkel, als dass ich bewusst hinsah, dass Bundespräsident Frank Walter Steinmeier eine große Kerze anzündete und sie in ein Fenster stellte. Die nächste Kamera-einstellung zeigte dann das Schloss Bellevue von außen, die brennende Kerze war deutlich zu sehen.

Weil mich dieses Bild so angesprochen hat, bin ich im Internet auf die Suche gegangen, was dahinter steckt. Dabei stieß ich auf die Aktion #lichtfenster - Ein Zeichen der Solidarität für die Coronaopfer, zu der die Evangelische Kirche in Deutschland gemeinsam mit dem Bundespräsidenten aufruft.
Auf der Homepage der EKD heißt es dazu: „In diesen Wochen sterben in Deutschland täglich hunderte Menschen in Folge der Corona-Pandemie. In diesen dunklen Stunden möchten wir einen Weg aufzeigen, wie die Menschen ihre Trauer und ihr Mitgefühl ausdrücken können. Deshalb rufen wir gemeinsam mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zur Aktion #lichtfenster auf. Stellen Sie an jedem Freitag bei Einbruch der Dämmerung ein Licht gut sichtbar in ein Fenster als Zeichen des Mitgefühls: in der Trauer um die Verstorbenen, in der Sorge um diejenigen, die um ihr Leben kämpfen, Mitgefühl mit den Angehörigen der Kranken und Toten. Das Licht leuchtet Ihnen in Ihrer Wohnung aber auch Ihren Nachbarn und den Menschen auf der Straße. Es soll ein Zeichen der Solidarität in dieser doppelt dunklen Jahreszeit sein: Ich fühle mit Dir! Meine Gedanken sind bei Dir!“

Mich berührt dabei besonders, dass diese brennende Kerze im Fenster für andere und für mich selbst leuchtet. Bei all den Kontaktbeschränkungen, der fehlenden Möglichkeit, einen anderen zum Trost in den Arm zu nehmen oder die Hand zu halten, wo jedes aufmunternde Lächeln hinter der Maske verborgen bleibt, kann ich mit Hilfe der Kerze zumindest symbolisch etwas für andere Menschen tun. 

Ich kann für alle die ein Licht leuchten lassen, die unter der Pandemie leiden, die besorgt sind und Angst haben, die allein sind und einsam, die nicht besucht werden dürfen, die ohne Trost und Begleitung bleiben. 

Ich kann ein Licht anzünden für die über 60.000 Menschen, die bereits in der Pandemie an Covid 19 gestorben sind – für mich sind es 60.000 Namenlose, doch um jedem dieser Toten trauern Kinder und Partner, Familien, Freunde und Bekannte. Auch für sie soll die Kerze leuchten.

Die Kerze im Fenster stahlt aber auch nach Innen.

Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie sind in dieser Woche gerade noch einmal verlängert worden. Ich denke, dass das auch richtig ist. Dennoch wächst auch in mir ein wenig die Ungeduld. Ich möchte wieder Gottesdienste feiern, mich mit anderen Menschen „leibhaftig“ treffen, einander nicht nur auf Computer-Bildschirmen bei Zoom-Konferenzen sehen. Meine Seele sehnt sich einem Hoffnungsschimmer, nach einem Licht, dass mich innerlich wärmt, mich stärkt und mir neuen Mut gibt. Die Kerze in meinem Fenster erinnert mich an das Wort Jesu aus dem Johannes-Evangelium:

Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, 
der wird nicht wandeln in der Finsternis, 
sondern wird das Licht des Lebens haben.

Ich wünsche uns allen, dass diese Zusage Jesu uns in dieser Zeit Zuversicht gibt und uns hilft, die Hoffnung nicht zu verlieren.

Bleiben Sie / Bleibt behütet

Ihre und Eure Pastorin Elisabeth Farenholtz
 


Kinder am Karneval - Copyright: Lehmann
Karneval

Mut-Mach-Wort zum 07. Februar - 2. Sonntag vor der Passionszeit

Liebe Mutmachwort-Gemeinde, 

die „fünfte Jahreszeit“ hat ihre Hochphase erreicht. Auch wenn in diesem Jahr die großen Prunksitzungen und Straßenumzüge ausfallen werden, die echten Karnevalisten werden dennoch einen Weg finden, um coronakonform Fasching zu feiern. Da bin ich mir ganz sicher! In den Tagen vor Rosenmontag merke ich ganz besonders, wo ich geboren bin: in Flensburg! Und nicht in Köln! Das lautstarke Feiern und feuchtfröhliches Geschunkel liegen mir einfach nicht. Der Gedanke, der hinter Fasching, Fastnacht und Karneval steht, dagegen sehr. 
„Karneval“ heißt übersetzt „Fleisch- adé!“ Bevor man mit Beginn der Fastenzeit dem üppigen Essen Lebewohl sagt, wird noch einmal richtig gefeiert und gelacht! Alle Sorgen und alle Zwänge werden ausgelacht.
Lachen ist ansteckend, wie man den drei Mädchen auf dem Foto ansieht. Sie haben sich nur eben verkleidet. Die eine Schwester macht einen Witz, die andere fächelt auf lustige Weise und schon gibt es kein Halten mehr. Die Mädchen lachen und können gar nicht mehr aufhören. 

„Lachen ist gesund!“ weiß der Volksmund. Und Lachen ist nicht zu verachten!

Gerade in diesem Jahr 2021, das so vollgepackt ist mit schlechten Nachrichten! Klimawandel, Corona-Tote, Betriebe vor dem Bankrott, Hass-Reden im Internet, Einsamkeit, wachsende Ungleichheit in unserer Welt – all das sind die Probleme unserer Zeit. Ganz klar, dass wir unseren Teil dazu tun, um dem entgegen zu wirken. Aber diese gravierenden Probleme dürfen uns nicht niederdrücken und uns alle Lebenskraft nehmen. So wie es leicht geschehen kann, gerade in dieser kalten trüben Jahreszeit! Nein, gerade wegen des Ernstes der Lage tut eine Prise Leichtigkeit gut.

Ich darf lachen! Ich muss sogar lachen, genau so herzhaft wie die drei Mädchen auf dem Foto. Denn Lachen ist gesund. Lachen macht stark! Es hilft mir, in dieser Welt, so wie sie ist, zu leben. 

Es lässt mich spüren: all die vielen Sorgen haben keine Macht über mich! GOTT hat Macht über mich. Seine schützende Hand beschirmt mich und lässt mich leben. Sein Wort leitet mich in dieser chaotischen Zeit. Seine Güte inspiriert mich. Und seine Liebe setzt mich in Bewegung. 

„Alaaf“ und „Helau“ – diese Rufe werden mir vermutlich bis an mein Lebensende fremd bleiben. Das Lachen aber nicht! Denn „wir haben gut Lachen“. Weil wir Gott an unserer Seite wissen! Weil Gott uns möchte mit all unserer Lebensfreude! Darum vergessen wir das Lachen nicht! In diesen schweren Zeiten ist es erste Bürgerpflicht! 

Es grüßt Sie mit einem Lächeln auf den Lippen! 

Ihre Pastorin Bettina Kiesbye
 


Kerze - Copyright: Elisabeth Farenholtz, St. Markus, Lübeck
Kerze

MMW zum 31. Januar 2021 – letzte Sonntag nach Epiphanias

Liebe Mut-Mach-Wort-Gemeinde,

für dieses Mut-Mach-Wort habe ich Ihnen und Euch eine Kerze angezündet. Eine Erinnerung an das Licht, das uns leuchten will. An diesem Wochenende geht mit dem letzten Sonntag nach Epiphanias die Weihnachtszeit zu Ende. Doch das Kirchenjahr lässt heute noch einmal ein bisschen weihnachtlichen Glanz aufleuchten – im wahrsten Sinne des Wortes.

Denn das Evangelium für diesen Sonntag erzählt von einem lichten Erlebnis. Jesus geht mit drei seiner Jünger auf einen Berg. Da erscheinen ihnen plötzlich zwei herausragende Hoffnungsgestalten des Alten Testaments – Elia und Mose – und eine donnernde Stimme sagt: »Das ist mein Sohn, den sollt ihr hören!« Jesu Gewand leuchtet strahlend weiß auf, die Jünger sind wie in Trance: »Herr, hier ist für uns gut sein!«, sagt Petrus. Drei Hütten will er an diesem besonderen Ort errichten: eine für Elia, eine für Mose und eine für Jesus. Verständlich, dass sie bleiben möchten. Doch so schnell, wie sie gekommen ist, ist die Erscheinung vorbei. So gerne sie bei dem Erlebten stehen bleiben möchten, es festhalten wollen, die Jünger müssen doch zurück ins Tal, in ihren Alltag.

Für uns ist „gefühlt“ Weihnachten schon eine halbe Ewigkeit her, der Weihnachtsbaum längst entsorgt, Stollen und Lebkuchen gegessen, der Gesang der Engel verklungen, der Glanz des Sterns vom Bethlehem erloschen. Und als ob das noch nicht genug wäre – nicht einmal mehr das im Dezember viel beschworene „Licht am Ende des Tunnels“, das durch den Beginn der Impfungen gegen Covid-19 da war, vermag so recht zu leuchten, dafür hakt es bei der Impfkampagne an zu vielen Stellen. Da wächst die Ungeduld, die Unzufriedenheit.

Für die Jünger ist nach dem Erlebnis auf dem Berg alles wie vorher – und doch ist alles anders. Ich bin sicher: sie haben den hellen Schein mitgenommen, etwas von dieser Erfahrung der Herrlichkeit Gottes ist in ihnen geblieben. Das Gleiche gilt für uns: Alles ist wie vorher – und doch ist alles anders. Die Pandemie ist nicht vorbei, der Lockdown ist nicht vorbei, die Unsicherheit ist nicht vorbei, das Dunkel ist nicht vorbei. Aber wir kommen von Weihnachten her. Wir dürfen wissen und vertrauen: Gott ist da, sein Licht leuchtet uns.

Der Apostel Paulus hat dafür im 2. Korintherbrief wunderbare Worte gefunden: Gott hat einst gesagt: »Licht strahle auf aus der Dunkelheit!« So hat er auch sein Licht in meinem Herzen aufleuchten lassen und mich zur Erkenntnis seiner Herrlichkeit geführt, der Herrlichkeit Gottes, wie sie aufgestrahlt ist in Jesus Christus.

Ich bin von allen Seiten bedrängt, aber ich werde nicht erdrückt.

Ich weiß oft nicht mehr weiter, aber ich verzweifle nicht.

Ich werde verfolgt, aber Gott lässt mich nicht im Stich.

Ich werde niedergeworfen, aber ich komme wieder auf.

So zu vertrauen wie Paulus es tut, fällt manchmal schwer.

Das geht mir nicht anders als vermutlich manchem von Ihnen und Euch.

Aber auch dann können wir immer noch um dieses Licht bitten, für andere und für uns selbst:

Gott, du hast deinen Sohn in unsere bedrohte Welt gesandt,

ein Licht für uns, damit wir nicht in der Finsternis bleiben.

Wir bitten dich: Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie uns leiten auf unseren Wegen.

Gott des Lebens, wir bitten dich für alle, die das Licht der Hoffnung verloren haben: für die Einsamen und für die Mutlosen; für alle, die Gewalt erleiden: für alle Kranken und mit ihnen für alle Arztinnen und Ärzte, für alle, die in der Pflege arbeiten; für die Mütter und Väter und Kinder im Homeschooling: Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie alle leiten auf ihren Wegen.

Gott, wir bitten für alle, die in dieser Pandemie-Krisenzeit das Licht des Glaubens vor lauter Arbeit verloren haben: für die Resignierten und Lebensmüden; für die vom Unglück Geschlagenen; für alle, die sich nach Nähe sehnen: Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie diese Menschen leiten auf ihren Wegen.

Gott, lass alle Menschen das Licht deiner Gegenwart spüren, besonders auch die, die in der Politik und Wirtschaft, in der Wissenschaft und Bildungsarbeit, in leitenden Positionen in der Gesellschaft und Kirche stehen, Verantwortung tragen und Entscheidungen treffen müssen: Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie sie leiten auf ihren Wegen.

Amen

Bleiben Sie / Bleibt behütet

Ihre und Eure Pastorin Elisabeth Farenholtz


Kind - Copyright: St. Markus, Lübeck
Kind wird getauft

Mut-Mach-Wort zum 24.01.2021

Liebe Leserinnen und Leser,

am kommenden Sonntag hätte eigentlich der Tauf-Erinnerungs-Gottesdienst für die 4-6-Jährigen in unserer Kirche stattfinden sollen. Ihn musste ich nun auf den 30. Mai verschieben. Dann werden wir im Gottesdienst auch wieder singen können, wenigstens draußen auf der Wiese vor der Kirche! Hoffentlich!

Als Pastorin geht es mir darum, Kindern einen Zugang zu ihrer Taufe zu eröffnen. Denn die meisten werden ja als Baby oder Kleinkind getauft und haben so keine eigene Erinnerung an Gottes „Ja“ zu ihnen. Was Gottes Zuwendung bedeutet, fasse ich für Kinder in folgende Worte:

„Gott spricht Dir zu:

Du bist etwas ganz Besonderes für mich!

Du bist mir ganz wichtig!

Dich habe ich lieb!“

Die Erinnerung an die eigene Taufe ist für alle wichtig. Ein Kind entdeckt einen wichtigen Teil seiner Biografie. Ein Jugendlicher erfährt: „In allen Veränderungen, die ich gerade durchmache, ist da doch die bleibende Beziehung Gottes zu mir. Das gibt mir Halt.“

Und wir Erwachsenen erleben eine Wiederbelebung unserer Beziehung zu Gott, wenn wir Gottes „Ja“ zu uns wirklich an uns heranlassen.

Aber wann geschieht das schon? In katholischen Kirchen befindet sich am Eingang ein Weihwasserbecken, in das die Gläubigen ihre Finger tauchen und sich dann mit dem Wasser bekreuzigen. (Zu Beginn der Pandemie mussten die Weihwasserbecken natürlich geleert werden, um eine evtl. Ansteckungsgefahr auszuschließen.)

Ein vergleichbares Ritual fehlt bei uns Protestanten. Umso bedeutender ist es, sich ganz persönlich klarzumachen, was für ein ungeheuer großes Geschenk die Taufe ist: Als ich noch völlig hilflos war, als ich noch keine Leistung vorweisen konnte, hat Gott mich angenommen als geachtetes Individuum. Unter den Milliarden Menschen auf der Welt kennt er doch mich mit all meinen Eigenschaften und Besonderheiten. Gottes Liebe ist so groß, dass sie mir auf ganz persönliche Weise gilt. Als von Gott geachteter und geliebter Mensch darf ich mein Leben führen. Nichts weniger sagt mir meine Taufe.

„Ich bin getauft!“

Diese Worte schrieb Martin Luther auf seinen Schreibtisch, damit ihm Gottes „Ja“ immer vor Augen sein würde, nicht nur am Sonntag, sondern an allen Arbeitstagen. Ganz bewusst speiste er seinen Glauben durch die Erinnerung an die Taufe. Er sagte von sich selbst, er „krieche“ jeden Tag neu in seine Taufe.

Das ist eine eigenartige Ausdrucksweise, insbesondere wenn man an die massige Gestalt des großen Reformators denkt. Doch in der Erinnerung an die Taufe wird selbst er ganz klein, klein und hilflos, wie ein neugeborenes Kind, das ganz auf Liebe und Erbarmen angewiesen ist. Diesem hilflosen Wesen schenkt Gott sein „Ja“. Und dieses ursprüngliche „Ja“ lässt ihn als erwachsener Mann seine Angst überwinden, es lässt ihn mutig seinen Weg gehen.

Liebe Mut-Machwort-Gemeinde,

auch wir mögen uns unserer Taufe erinnern. An jedem Tag, ob wir zuhause sind oder unterwegs. Wie kann das aber geschehen? Ich habe einen Vorschlag!

Viele von uns haben eine Sammlung von Fotos, die ihnen viel bedeuten, an der Wohnzimmerwand aufgehängt oder auf der Kommode aufgestellt. Hochzeitsfotos, Portraits der Enkel, eine Aufnahme des Elternhauses… Vielleicht finden Sie auch noch ein Foto von Ihrer Taufe und dazu noch einen passenden Bilderrahmen? Vermutlich wird Ihr Tauffoto schon etwas verblichen sein und man wird nicht mehr von Ihnen sehen als ein kleines Bündel Mensch. Aber das ist nicht entscheidend! An Bedeutung ist es all den anderen Bildern ebenbürtig. Denn es zeigt den Moment, an dem Gott sein Ja zu Ihnen ausgesprochen hat.

So möge es Ihnen gelingen, Ihre Taufe in Ihrem Leben präsent zu halten. Die Erinnerung an das Wasser der Taufe erfrische Sie an jedem neuen Morgen! Gottes Zuwendung stärke und begleite Sie, was auch geschieht!

Ein gesegnetes Wochenende wünscht Ihnen

Ihre Pastorin Bettina Kiesbye

 


Engelfigur - Copyright: St. Markus, Lübeck
Engel

Gedanken zum 17. Januar – 2. Sonntag nach Epiphanias

Liebe Leserin, liebe Leser
Seit meiner Kindheit begleitet mich eine Engelkapelle mit Figuren aus dem Erzgebirge durch die Advents- und Weihnachtszeit.
Und wie schon damals bei uns zu Hause ist es bis heute für mich ein Ritual, am Samstag vor dem 1. Advent sie aufzubauen, Wenn die Engelkapelle steht, beginnt für mich der Advent.
Und ebenso gehört es dazu, am 06. Januar all die kleinen Engel wieder sorgsam in ihrer Kiste zu verstauen - bis zur nächsten Adventszeit. Manch anderes an weihnachtlicher Dekoration räume ich manchmal auch schon früher weg. Doch die Engelkapelle steht bis Epiphanias. Sie abzubauen ist wie ein Symbol dafür, dass die Weihnachtszeit im engen Sinne vorbei ist. Nur ein Engel, der wird nicht eingepackt, der bleibt draußen. Er steht bei mir auf dem Esstisch und begleitet mich das ganze Jahr über.
Dieser Engel gehört zwar eigentlich mit zu meiner Engelkapelle – irgendwie aber auch nicht. 
Denn er macht keine Musik, er singt nicht, spielt kein Instrument. 
Nein, er scheint so ein richtiger „Alltagsengel“ zu sein. Er ist kein Engel, der „von morgens 8 Uhr bis mittags 12 Uhr frohlockt und von mittags 12 Uhr bis 8 Uhr abends Hosianna singt“, wie es bei Ludwig Thoma heißt. 
Sondern er ist einer, der mir morgens zum Frühstück eine Kanne Tee und eine Blume bringt!
Wenn ich mir diese Geste bewusst mache, zaubert sie mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht und ich kann gleich noch viel besser in den Tag starten. 
Vor allem aber erinnert mich dieser kleine Engel an etwas ganz Wichtiges: das Weihnachtsfest liegt hinter uns, aber die Botschaft, um die es geht, die gilt. Gott ist Mensch geworden. Er ist uns nahegekommen. 
Unser Gott ist kein „Sonn- und Feiertags - Gott“. 
Er ist, wie mein Engel ein Alltagsengel ist, ein „Alltagsgott“. 
Er teilt unsere Leben, er ist bei uns in unserem Alltag, in all dem, was uns beschäftigt.
Er ist auch in dieser Zeit bei uns, in unseren Ängsten und Sorgen, in unserer Ungeduld, unserer Unsicherheit, unserer Sehnsucht nach Nähe zu anderen Menschen und danach, einander wieder die Hand reichen oder umarmen zu können.

Das Vertrauen in Gottes Nähe und Begleitung macht den Weg, der in der Pandemie noch vor uns liegt, nicht kürzer. Aber es hilft mir, ihn weiterzugehen, der Ungeduld, die ich auch in mir spüre, nicht Oberhand zu geben und Hoffnung und Zuversicht nicht aufzugeben.
Die Politik spricht zur Zeit viel davon, dass durch die Impfung gegen Covid 19 das Licht am Ende des Tunnels da ist. Das ist, trotz der Anfangsprobleme bei Impfen, objektiv sicherlich richtig. 
Doch sehen oder auch nur spüren tue ich davon zur Zeit noch nichts. Da ist der Tunnel noch lang und dunkel und ich weiß nur, dass er irgendwann zu Ende ist. 
Deswegen bin ich dankbar, auch das wahrnehmen zu können, was eine andere Stimme sagt.
Dieses andere ist für mich das Versprechen Gottes, wenn er sagt: 

Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege und dich bringe an den Ort, den ich bestimmt habe. (2. Mose 23,20)

Daran erinnert mich ich jeden Morgen am Frühstückstisch der kleine Engel aus dem Erzgebirge – und eine solche Erinnerung wünsche ich jeden Tag auch Ihnen und Euch.
Bleiben Sie / Bleibt behütet

Ihre und Eure Pastorin Elisabeth Farenholtz